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Biokraftstoffe (Agrokraftstoffe), ein Streitthema
Biokraftstoffe sind ein Diesel-/Benzinersatz, der aus nachwachsenden
Pflanzen gewonnen wird. Der Vorteil liegt im CO2-Reduktionspotential
durch den Wegfall der direkten Emissionen beim Fahren mit diesen Kraftstoffen.
Eine vollständige Klimaneutralität bei den Gesamtemissionen
erreichen aber auch Biokraftstoffe nicht.
Nicht nur deshalb ist der Einsatz der aus Energiepflanzen gewonnenen
sogenannten Biokraftstoffe (zum Begriff siehe Bio
oder Agrokraftstoffe) umstritten. Auch die Fragen zu notwendigen Anbauflächen,
entstehenden Monokulturen oder Folgen der einzusetzenden Kunstdüngern
sind nicht umfassend geklärt und führen immer wieder zu kontroversen
Diskussionen. Noch kritischer müssen die Daten und Fakten bewertet
werden, wenn die Kraftstoffe aus Nahrungpflanzen gewonnen werden.
Die Biokraftstoffe
Diesel, Ethanol, Methan und Pflanzenöl werden momentan als Biokraftstoffe
hergestellt, spielen aber als Rein- oder Primärkraftstoff keine Rolle.
Der Marktanteil von gut 5,8 Prozent im Jahr 2010 entstand hauptsächlich
aus den Beimischungen zu den fossilen Kraftstoffen. Hergestellt werden
die Biokraftstoffe hauptsächlich aus Mais, Ölsamen, Palmöl,
Raps, Soja, Sonnenblumen, Weizen, Zuckerrohr oder Zuckerrüben, verwendet
werden aber auch Gülle und organische Reststoffe.
Die Frage nach der Klimaneutralität
Als ein Argument für den Einsatz von Biokraftstoffen wird die sogenannte
Klimaneutralität angeführt, bei der nur die Menge CO2
als direkte Emissionen bei der Verbrennung des Kraftstoffs anfällt,
die die Pflanzen der Atmosphäre beim Wachstum entzogen haben. Eine
vollständige Klimaneutralität kann aber nur erreicht werden,
wenn über die gesamte Emissionskette (Landwirtschaft
→ Transport → Raffinerie → Transport → Lager/Mischen
→ Transport → Tankstelle → Verbrauch) keine zusätzlichen
Treibhausgase anfallen.
Aber
schon bei den direkten Emissionen gelten lediglich Biomethan und Pflanzenöl
als CO2-neutral. Bei der Verbrennung von Bio-Ethanol
entstehen nach Angaben des U.S. Department of Energy Stickstoff und Methan,
Bio-Diesel führt sogar zu einer erhöhten Belastung durch Partikeln
und Stickstoff. Besonders umstritten sind die indirekten Emissionen. Je
nach Herkunftsland, Pflanzenart und Anbau entstehen durch Landmaschinen,
Produktionsverfahren oder Transportwege unterschiedlich hohe Emissionen.
Künstlicher Dünger und Kalk führen zu N2O-
und CO2-Emissionen der Böden. Die Herstellung
der in der Landwirtschaft verwendeten Materialien ist wie der Einsatz
von Maschinen und Transportfahrzeugen mit eigenen Emissionsketten verbunden,
die ebenfalls in die indirekten Emissionen einfließen.
Fehlende Anbauflächen und Nachhaltigkeit
Mit den steigenden Beimischungsquoten steigt auch die Nachfrage nach
Energiepflanzen zur Herstellung der Biokraftstoffe. Zur Deckung des europäischen
Bedarfs werden nach einer Studie des Institute of European Environmental
Policy werden gut 70.000 Quadratkilometer Anbauflächen benötigt,
dies entspricht der Größe Irlands. Da diese Flächen in
Europa nicht zur Verfügung stehen, müssen die Biokraftstoffe
importiert werden, was zur einer Verlagerung des Flächenbedarfs und
zur Steigerung des Transportaufkommens führt.
Um
den Flächenbedarf zu decken, müssen bestehende Anbauflächen
für Nahrungs- oder Futtermittel umgewandelt werden. Hierbei besteht
aber die Gefahr, dass zum Beispiel durch die Umwandlung von Acker oder
Grünland die Gesamtemissionen nicht reduziert, sondern sogar erhöht
werden. Nicht zu akzeptieren ist, dass für den Anbau von Energiepflanzen
in Südostasien und Südamerika große Urwaldflächen
vernichtet werden. Um immer mehr Zuckerrohr, Ölpalmen- und Sojakulturen
anpflanzen zu können, werden durch Brandrodung oder Abholzung große
Bestände des Regenwaldes vernichtet. Alleine das Abbrennen der Wälder
setzt Tonnen von Klimagasen frei und führt jede Klimabilanz auf Jahrzehnte
ad absurdum. Zwar ist der Import von daraus gewonnenen Biokraftstoffen
in Deutschland durch die sogenannte Nachhaltigkeitsverordnung verboten,
dies wird aber die Praxis des Verkaufs zertifizierter Biokraftstoffe bei
gleichzeitiger Bedarfsdeckung aus umstrittenen Quellen nicht verhindern.
Und so kann ein Szenario Realität werden, in dem eine größer
werdende Nachfrage nach Biokraftstoffen eine immense Naturvernichtung
fördert.
Ebenfalls umstritten ist die Frage, ob der Anbau von Pflanzen zur Herstellung
von Kraftstoffen Nahrungs- und Futtermittelpflanzen verdrängt und
dadurch zu Verknappungen von Nahrungsmitteln und Preissteigerungen bei
Lebensmitteln beiträgt. Fest steht, dass die teils enormen Preisanstiege
bei bestimmten Nahrungsmitteln in den letzten Jahren auf verschiedene
Faktoren zurückzuführen ist, von denen die Biokraftstoffherstellung
einer ist.
Reduktionspotential ja, Klimaneutralität nein
Eine gewünschte vollständige Klimaneutralität weist kein
Biokraftstoff auf. Entsprechend der Kriterienkataloge variieren die Emissionen,
so liegt zum Beispiel bei Ethanol das Reduktionspotential zwischen 32
und 154 Gramm CO2 (eq) pro Kilometer. Wird das
Ethanol in Brasilien aus Zuckerrohr hergestellt und für die Prozeßenergie
Biomasseabfall verwendet, kann die CO2-Einsparung
gut 80 Prozent erreichen. Stammt es aus deutschem Weizen und ist Braunkohle
die alleinige Basis der Prozeßenergie, können die Emissionen
über denen fossiler Kraftstoffe liegen. Entsprechend der Nachhaltigkeitsverordnung
müssen Biokraftstoffe in den Gesamtemissionen derzeit auch nur maximal
35 Prozent weniger Treibhausgase emittieren als fossile Kraftstoffe.
| GESAMTEMISSIONEN UND REDUKTIONSPOTENTIALE
VON BIOKRAFTSTOFFEN |
| BIOKRAFTSTOFF |
BASIS |
GESAMTEMISSIONEN
gr CO2 eq / km |
EINSPARPOTENTIAL
184 BENZIN / 172 DIESEL |
| BIODIESEL |
Palmöl |
∅ 136 |
--- / ∅ 36 |
| Raps |
∅ 104 |
--- / ∅ 68 |
| Sonnenblumen |
∅ 82 |
--- / ∅ 90 |
| BIOETHANOL |
Mais |
∅ 106 (74 - 137) |
∅ 78 (43 - 124) / --- |
| Weizen |
∅ 113 (93 - 132) |
∅ 71 (38 - 105) / --- |
| Zuckerrohr |
∅ 69 (44 - 93) |
∅ 115 (77 - 154) / --- |
| Zuckerrüben |
∅ 109 (80 - 138) |
∅ 75 (32 - 118) / --- |
| Gemittelt |
∅ 99 |
∅ 85 |
| BIOMETHAN |
Gülle |
∅ 32 |
∅ 152 / --- |
| RAPSÖL |
Raps |
∅ 72 |
∅ 112 / --- |
| Daten: California Environmental
Protection Agency, CONCAWE, Institut für Energie- und Umweltforschung,
Rat der Europäischen Union, Union zur Förderung von Oel-
und Proteinpflanzen. Gesamtemissionen Benzin: 170-198, alle Angaben
in Gramm CO2 eq pro Kilometer. |
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| BIO- ODER
AGROKRAFTSTOFFE? |
| Biokraftstoffe sind keine Bio-Produkte,
in diesem Zusammenhang ist der Begriff Bio irreführend. Zutreffender
ist es, von Agrokraftstoffen zu sprechen, da die Kraftstoffe aus Produkten
der Forst- und Landwirtschaft hergestellt werden. Da aber auf europäischer
Ebene der Begriff Biokraftstoff im Sprachgebrauch ist, wird er auch
hier verwendet. |
| BIOKRAFTSTOFFQUOTENGESETZ |
| Die Beimischung der Biokraftstoffe
zu den fossilen Kraftstoffen basiert auf der EU-Richtlinie zur
Förderung der Nutzung von Energie aus erneuerbaren Quellen.
Die Umsetzung in nationales Recht erfolgt in Deutschland durch das
Gesetz zur Einführung einer Biokraftstoffquote durch Änderung
des Bundes-Immissionsschutzgesetzes und zur Änderung energie-
und stromsteuerrechtlicher Vorschriften. Mit diesem Gesetz werden
die Quoten der Beimischungen vorgeschrieben und reguliert. |
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