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(Erd)Ölförderung - Der Anfang der Emissionskette

Als Grundlage für jeden Benzin- und Dieselkraftstoff werden heutzutage riesige Rohölmengen zur Produktion von Treibstoffen benötigt. Die Umweltbelastung des Straßenverkehrs beginnt nicht mit den Abgasen, sondern der Ölförderung.

Aus Erdöl entsteht der Treibstoff für so gut wie alle Verkehrs- und Transportmittel. Doch mit der Förderung des Erdöls beginnt unweigerlich auch die Umweltbelastung. In die Gesamtemissionen des Straßenverkehrs fließen zwar die Daten der benötigten Energie für die Ölgewinnung ein, nicht aber die Zahlen der weltweit auftretenden gravierenden Umweltbelastungen und -zerstörungen.

Aus der Tiefe an die Erdoberfläche

Erdöl ist ein Naturprodukt, das über tausende Jahre in den Tiefen von Seen und Meeren aus der Zersetzung von Plankton entsteht. In den meisten Fällen lagert das Öl in Lagerstätten in mehreren hundert Metern Tiefe, nur vereinzelt kann es sich selbst einen Weg an die Erdoberfläche bahnen und sammeln. In der Regel werden die Vorkommen in den unterirdischen Gesteinsschichten gesucht und schließlich angebohrt. Steht eine Lagerstätte unter hohem Druck, kann das Öl in der Eruptivförderung unter Nutzung des natürlichen Lagerdrucks gefördert werden. Die Pumpenförderung mit Tiefpumpen kommt immer dann zum Einsatz, wenn der Lagerdruck zu niedrig ist. Eine weitere Form der Ölvorkommen sind die sogenannten Ölsande, die in Tagebauen gefördert oder abgepumpt werden.

Umweltbelastungen und -katastrophen

Bevor das Öl auf der Tiefe gefördert werden kann, müssen Löcher in die Erde gebohrt werden. Bei Bohrungen muss der Bohrkopf ständig mit Bohrschlamm, einem Gemisch aus Chemikalien, geschmiert und gekühlt werden. Pro Bohrloch werden bis zu 1.000 Tonnen Bohrschlamm benötigt, die Rückstände dürfen ins Meer gekippt werden, wenn der Ölgehalt unter einem Prozent liegt. Ausgediente Bohrköpfe und -stangen, beschädigte Rohe und Leitungen, Teile von Plattformen oder sonstige Materialien werden oft nicht fachgerecht entsorgt, sondern einfach am Bohrloch zurückgelassen bzw. im Meer versenkt.

Neben dem Öl werden immer auch sogenanntes Begleitgas und Produktionswasser gefördert. Dieses Wasser ist zwar mit Öl und Chemikalien belastet, darf aber ins Meer zurückgeleitet werden, wenn pro Kubikmeter nicht mehr als 30 Gramm Rückstände anfallen. Das Begleitgas ist ein Gasgemisch in unterschiedlichen Qualitäten, das zum Druckaufbau bei der Ölförderung zurück in die Lagerstätte gepresst oder auch zu Erdgasqualität aufbereitet und verkauft werden könnte. Doch vielen Ölgesellschaften sind die Kosten für das Auffangen, Aufbereiten und Transportieren des Rohstoffes schlichtweg zu hoch. Deshalb wird das Gas in vielen Ländern direkt am Bohrloch in die Atmosphäre abgelassen oder aber entzündet und abgefackelt.

Tief liegende Ölsande werden durch das Einpressen von heißem Wasserdampf erst verflüssigt, dann abgepumpt, von Wasser und Sand getrennt und schließlich zu synthetischem Rohöl weiterverarbeitet. Dieses Verfahren ist extrem energieaufwendig - pro Barrel Öl werden 50 Kilogramm Erdgas allein für die Dampferzeugung benötigt - und umweltbelastend. Es werden riesige Mengen Wasser benötigt, die als verseuchte Wasser-Sand-Gemische zurückbleiben und zum Verfüllen der Gruben verwendet werden. Dort lösen sich die Giftstoffe und sickern über das Grundwasser in die Wassersysteme und -zirkulation.

Neben den ständigen Umweltbelastungen sind es immer wieder einzelne Havarien an Pipelines, Tankschiffen und Ölplattformen, die katastrophale Folgen für die Umwelt haben. Was auf offener See mit dem ausgetretenen Öl passiert, ist unklar. Während je nach Sorte und Temperatur ein Teil verdunstet, sinkt der Rest mit der Zeit auf den Meeresboden. Bestimmte überall im Meer vorhandene Bakterien (Hydrocarbonoklasten) können das Öl abbauen. Die Auswirkungen auf Fische und andere Meerestiere sind nicht genau geklärt. Bei einer Ölpest auf dem Festland verschmutzt das Öl für Jahrzehnte großflächig Böden und Grundwasser. Bodenlebewesen ersticken unmittelbar oder werden vergiftet, für tausende Tiere gibt es kein Entkommen, sie gehen qualvoll ein. Die Erde verwandelt sich in einen giftigen Ölschlamm, der mit der Zeit über das Grundwasser und den Wasserkreislauf auch das Trinkwasser kontaminiert.

Jedes Jahr gibt es hunderte Vorfälle, von denen die Öffentlichkeit nichts oder nur wenig erfährt. Kontrollen sind oftmals gar nicht möglich, weil die Bohrtürme weit weg im Meer liegen und Förderstätten an Land hermetisch abgeschottet werden. Nicht selten sind Kontrollen aber auch gar nicht erwünscht und werden Vorgehensweisen von den Regierungen der Förderländer gedeckt. Offizielle Zahlen gibt es kaum, Umweltverbände schätzen, dass jährlich gut sechs Millionen Tonnen Erdöl ins Meer gelangen.

Gasflaring (Gasabfackeln) - Ein Umweltskandal sondergleichen
150.000.000.000 m³ Gas ≙ 117.554.858,934 Tonnen Gas → verbrennen zu 327.978.056,426 Tonnen CO2
Die Global Gas Flaring Reduction Partnership (GGFRP) geht davon aus, dass 150.000.000.000 Kubikmeter Gas weltweit jedes Jahr sinnlos abgefackelt werden. Dies entspricht gut 30 Prozent des gesamten Gasbedarfs in der Europäischen Union. Weiter geht die GGFRP davon aus, dass durch das Abfackeln des Gases jährlich bis zu 400.000.000 Tonnen CO2 verursacht werden. Zum Vergleich: 152.000.000 Tonnen CO2 werden durch den Straßenverkehr in Deutschland verursacht.
Den Ölgesellschaften ist das Auffangen, Aufbereiten und Verwerten des Gases schlichtweg zu teuer. Dagegen ist das Abfackeln die einfachste und vor allem billigste Methode, das Gas zu entsorgen. Mehr als ein Drittel der weltweiten Begleitgase werden in Russland und Nigeria verbrannt, nur vier Länder sind für 50 Prozent des Gasabfackeln verantwortlich.
Beispiel Sibirien: Auf dem größten Ölfeld Russlands lodern hunderte Gasfackeln. Drei Viertel der geförderten Gase werden hier abgefackelt. Beispiel Nigeria: Hier ist die Shell für mehr als die Hälfte aller Gasfackeln verantwortlich, die oftmals direkt neben Ortschaften meist in geringen Höhen Tag und Nacht brennen. Die giftigen Abgase verseuchen das Land mit saurem Regen und Schwermetallen, fast jede Ernte wird zu großen Teilen vernichtet. Die Menschen müssen nicht nur seit Jahren mit dem ständigen Lärm und Licht leben, sie erkranken an Asthma- und Krebs. Ihre Lebenserwartung liegt bei 42 Jahren. Obwohl seit 2005 das Abfackeln gerichtlich verboten ist und Shell ein Abschalten angekündigt hat, brennen die Fackeln weiter.
Sanktionen müssen die Ölgesellschaften kaum fürchten. Russland ist ein zu wichtiger Handelspartner und vor allem Öl- und Gaslieferant, als dass die Europäische Union Druck ausüben würde. Und Unternehmen wie Shell oder BP nutzen geschickt ihre Lobbyarbeit in Europa und die politischen Gegebenheiten vor Ort wie in Nigeria, um Gewinne auf Kosten der Einheimischen und der Umwelt einzustreichen.

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ERDÖL, EIN FOSSILER ENERGIETRÄGER
Erdöl entsteht über tausende Jahre aus der Zersetzung von Plankton, das sich mit Sand und Ton zu Faulschlamm vermischt. Unter Druck spalten sich bei hohen Temperaturen die langkettigen Kohlenwasserstoffe in kurzkettige flüssige. Diese Kerogene sind in der Lage, durch Gesteinspore zu wandern, bis sie von undurchlässigen Schichten aufgehalten werden und die begehrten Öllagerstätten bilden. Nur selten gelangt das Öl von selbst an die Erdoberfläche und sammelt sich in Seen. An der Luft verdunsten die leichteren Bestandteile und ein zäher Teer oder Asphalt bleibt übrig, die Vorkommen werden deshalb auch als Asphaltsee oder „Pitch Lake” bezeichnet. Den größten gibt es auf Trinidad, weitere in Kalifornien und Venezuela.

EINE BESONDERE VERANTWORTUNG
Mineralölgesellschaften wir BP (Aral), ExxonMobil (Esso) oder Shell treten in Deutschland und Europa stets gern als umwelt- und verantwortungsbewusst handelnde Unternehmen auf. Bei Fragen zu besonders umstrittenen Themen wie z. B. Alaska, Gasflaring, Großpipelines, Nigeria, Ölsande, Sibierien oder Tiefsee bleibt davon allerdings nicht viel übrig. Anstelle von konkreten Antworten wird nur gebetsmühlenartig betont, dass in Sachen umweltfreundliche Produktion das Unternehmen an der Weltspitze stehe und im angesprochenen Fall die höchstmöglichen Umweltstandards im globalen Vergleich eingehalten werden. Dabei zeigen die Umweltbelastungen und -zerstörungen bei der Ölförderung deutlich, dass die Ölgesellschaften alle Anforderungen an den Umweltschutz so bald und so weit wie nur möglich zu Gunsten der Gewinne zurückstellen. Es ist klar, dass eine Mineralölgesellschaft keine Umweltorganisation ist. Es muss den Ölkonzernen aber klar sein, dass sie eine besondere Verantwortung tragen, da sie jederzeit eingreifen und handeln können. Nur wollen müssen sie.
     
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